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Rezension: Jonas Pöltl – Die Insel der Erkenntnis

Das Buch beginnt für mich schon fast mit einer Liebeserklärung an die Stadt Miami. “Mein Miami”, wie Protagonist Matt sie immer wieder liebevoll bezeichnet, scheint fast ein Sehnsuchtsort für ihn, und vielleicht auch den Autor, Jonas Pöltl, zu sein. 

Aus dem Klappentext

Nach einer der vielen langen 70-Stunden-Wochen im Büro fährt Matt mit seinem Boot aufs Meer, um endlich einmal Ruhe zu finden und abschalten zu können. Durch ein plötzlich aufziehendes Unwetter kentert sein Schiff und Matt wird an einen scheinbar einsamen Strand gespült. Wie Matt allerdings schnell herausfindet, ist die Insel alles andere als unbewohnt und er lernt das Volk der Maoli kennen.

 

Auch wenn die Inselbewohner Matts Welt nur bedingt kennen, stellen sie sie doch mit ihren Fragen und Weisheiten vollends auf den Kopf.

Etwas irritiert bin ich von Matts Reaktion, als dieser am Strand einer vermeintlich einsamen Insel wieder zu sich kommt, und realisiert das er Schiffbruch erlitten hat. Als logische und auch normale Reaktion hätte ich Panik, Verzweiflung, vermutlich auch Angst erwartet. Ganz sicher hätte ich keinen vollkommen gelassenen und entspannten Matt gerechnet, der sich an der Schönheit der Insel erfreut. 

Die Geschichte ist schön geschrieben. Gut, bei der Namensgebung der Inselbewohner hätte ich mir etwas mehr Kreativität gewünscht, da diese für meinen Geschmack etwas zu kindlich anmuten. Das tut der Sympathie, die ich ihnen gegenüber habe, keinen Abbruch, denn das, was sie zu sagen haben, ist wertvoll und weise. 

In Dialogform und fragend versuchen die Einwohner der Insel, dem Ich-Erzähler Matt, auf der Suche nach sich selbst, zu helfen. Führt er ein erfülltes Leben? Würde er gerne was ändern oder anders leben? Was anderes tun? Und was muss er in seinem Leben dafür ändern?

All diese Erkenntnisse trägt Matt in einem Notizbuch zusammen. Diese Sammlung findet sich als Anhang am Ende des Büchleins. Eine schöne Idee, denn so kann ich mir als Leser alles noch einmal ins Gedächtnis rufen und schauen, was ich aus dieser Geschichte für mich mitnehmen kann. So gibt es diverse Anregungen, um sich mit seinem eigenen Leben zu beschäftigen und zu hinterfragen, ob man sein Leben so fortführen möchte, wo man hin will und was man dafür ändern muss.

So weit, so gut: Dieses Buch bietet entspanntes Lesevergnügen, ist leicht zu verstehen, bietet einige Denkanstöße und Inspirationen und ist damit ein Buch für Menschen, am Beginn ihrer Suche nach Erkenntnis stehen. ABER leider bleibt das Buch dabei an der Oberfläche, und die Kapitel sind zum Teil recht schnell abgehandelt. Dabei hätte die Geschichte durchaus Luft nach oben, bzw. Potenzial für mehr, gehabt. So ist das Buch bedauerlicherweise in wenigen Stunden durchgelesen. Auch hätte ich mir gewünscht, dass der Autor über die Veränderung nach dem Besuch auf der Insel ausführlicher und genauer berichtet.

Etwas mehr Tiefgang wäre also wünschenswert gewesen, gerade weil es inzwischen immer mehr Ratgeber gibt, deren Lehren und Erkenntnisse spielerisch in einer Geschichte verpackt werden. 

Und noch etwas fehlt mir. Etwas Aufklärung über den Hintergrund der Insel bzw. deren Realität. Darüber wird so gar nichts erzählt. Existiert die Insel wirklich? Oder befindet sie sich in einer Art Zwischenwelt, die Menschen nur dann betreten, wenn sie gerade eine Nahtoderfahrung machen? So wie Matt, der bewusstlos auf offener See treibt? Schade, dass sich das nicht aufklären lässt.

Fazit
4leicht zu lesen
Ein leicht zu lesendes und auch inspirierendes Buch für Fans von solchen Geschichten. Der Inhalt regt zum Nachdenken an und gibt Denkanstöße. Daher gebe ich trotzdem gerne 4 von 5 soliden Sternen.

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